EU-Embargo gegen den Iran – Was bedeutet das für uns Bürger?
Januar 25, 2012 Keine Kommentare
Am Dienstag (24. Januar 2012) machte die EU Ernst: gegen den Iran wurde ein Öl-Embargo verhängt, d.h. iranisches Öl darf nicht mehr in die EU importiert werden. Die Maßnahme ist eine Antwort auf das iranische Atomprogramm, das trotz weltweiten Protesten noch nicht aufgegeben wurde.
Das iranische Ölministerium betonte, dass nur 18 Prozent der iranischen Öl-Exporten in die EU gingen, der Iran also andere Abnehmer finden werde. Die EU – und insbesondere die durch die Schuldenkrise geplagten Staaten – hingegen werde unter steigenden Rohöl-Preisen zu leiden haben.
Tatsächlich zeigten sich die Märkte von der Ankündigung des Embargos aber nur mäßig beeindruckt: der Preis für Rohöl stieg nur leicht. Auch halten sich die unmittelbaren Konsequenzen für die EU-Wirtschaft und damit die EU-Bürger in Grenzen, da das Embargo einige Ausnahmen gestattet. So dürfen laufende Geschäfte noch bis zum 1. Juli abgewickelt und iranisches Öl zur Begleichung von iranischen Schulden in der EU geliefert werden. Beides schafft zunächst einen zeitlichen Puffer.
Überdies ist der Import iranischen Öls aus europäischer Sicht weitaus weniger wichtig als der Export in die EU aus iranischer Sicht: nur knapp sechs Prozent des Öls aus der EU kommen aus dem Iran, zudem steht mit Saudi-Arabien bereits ein fähiger Ersatzlieferant bereit. Hinzu kommt noch, dass weder die Türkei, noch Indien oder China sich an dem Embargo beteiligen wollen – für die EU ist dies eine diplomatische Niederlage, da der Iran – wie Teheran auch ankündigte – somit auf andere Abnehmer umschwenken kann. Aus wirtschaftlicher Sicht hingegen verhindert dies jedoch einen größeren Ölpreis-Schock.
Schlussendlich ist auch die iranische Drohung, die Straße von Hormus im Falle eines Embargos sperren zu wollen, unglaubwürdig – die jüngst erfolgte Passage eines US-Trägers verdeutlicht, dass die iranische Marine nicht über die Kapazitäten verfügt, die Meerenge nachhaltig zu sperren. Auch langfristig sind also größere Anstiege beim Ölpreis und negative Konsequenzen für die Wirtschaft der EU nicht zu erwarten.
Bild: © ThePaddy – Fotolia.com
Finanznews